A.H. Riise: Die dänische Rum-Legende aus der Karibik (heute: Old St. Croix)
Manche der bedeutendsten Rum-Marken der Welt wurden nicht von Zuckerrohrbaronen oder Brennmeistern gegründet, sondern von Männern, die eigentlich etwas ganz anderes im Sinn hatten. A.H. Riise ist das beste Beispiel dafür: Eine Marke, deren Ursprung in einer Apotheke liegt – gegründet von einem dänischen Pharmazeuten, der auszog, um Medikamente in die Karibik zu bringen, und am Ende eine der prestigereichsten Rum-Dynastien der Geschichte begründete.
Wichtiger Hinweis vorab: Seit dem 13. Juni 2025 firmiert die Marke weltweit unter einem neuen Namen: Old St. Croix. Der traditionsreiche Name A.H. Riise wurde nach über 150 Jahren als Markenbezeichnung abgelöst – Rezepturen, Geschmack und Qualität bleiben dabei jedoch unverändert. Mehr zu diesem Rebranding erfährst du weiter unten im Beitrag.
Diese ungewöhnliche Herkunftsgeschichte macht die Marke zu einer der faszinierendsten der gesamten Rum-Welt: dänische Königstreue, karibisches Klima, ein Apotheker mit unternehmerischem Instinkt – und ein Rum, der bis heute in edlen Karaffen und mit prämierten Cuvées für Aufsehen sorgt.
Wer war Albert Heinrich Riise?
Vom dänischen Ærø in die Karibik
Albert Heinrich Riise wurde am 11. September 1810 auf der kleinen dänischen Insel Ærø geboren. Nach einer Apotheker-Lehre in seiner Heimatstadt Ærøskøbing zog es ihn nach Kopenhagen, wo er Botanik und Chemie studierte – zwei Wissenschaften, die damals gerade erst ihre moderne Form fanden. Diese wissenschaftliche Ausbildung sollte später entscheidend für seinen unternehmerischen Erfolg in der Karibik werden.
1834 wurde der junge Apotheker, der zu dieser Zeit an der Königlichen Militärapotheke in Kopenhagen arbeitete, von Vertretern der dänischen Regierung angesprochen: Man bot ihm die Möglichkeit, die erste offiziell anerkannte Apotheke im aufstrebenden Hafen von St. Thomas zu etablieren.
Das königliche Monopol von 1838
Ein lang gehegter Wunsch, in die Westindischen Inseln zu reisen, erfüllte sich für Riise 1838, als er das Privileg erhielt, als Apotheker in den Dänisch-Westindischen Inseln zu praktizieren. Im Juni 1840 ernannte die dänische Regierung Riise offiziell zum exklusiven Apotheker der Insel und gewährte ihm ein Monopolstatus zur Herstellung von Alkohol. Dieses Monopol wurde ihm im Austausch für seine Verpflichtung gewährt, Medikamente an Bedürftige kostenlos abzugeben.
Riise lebte von 1838 bis 1878 mit seiner Frau Henrietta Marie auf St. Thomas – vierzig Jahre, in denen er nicht nur eine Apotheke, sondern ein ganzes unternehmerisches Imperium aufbaute.
Von Bay Rum zu karibischem Premium-Rum
Die Apotheke als Ursprung eines Rum-Imperiums
Auf St. Thomas nutzte Riise seine Leidenschaft für exotische Flora und Fauna zusammen mit seinem wissenschaftlichen Hintergrund, um verschiedene Pharmazeutika, Kosmetika und Alkoholika zu entwickeln. Als Apotheker experimentierte er mit Kräutern und seltenen Pflanzen, um Heilmittel für allerlei Beschwerden herzustellen – und geriet dabei zwangsläufig in Kontakt mit dem florierenden Rum-Geschäft der Insel.
Rum wurde zu dieser Zeit tatsächlich medizinisch verwendet, unter anderem gegen Magenbeschwerden und andere Leiden. Riises wissenschaftlicher Ansatz zur Destillation und Kräuterkunde verschaffte ihm hier einen entscheidenden Vorteil gegenüber traditionellen Rum-Produzenten.
Riise's Bay Rum: Der erste destillierte Bay Rum der Welt
1862 entwickelte Riise sein berühmtes Bay Rum – ein mit Öl der Pimenta-racemosa-Pflanze aromatisiertes Rum-Produkt, das nach dem Vorbild anderer karibischer Rums entstand. Riise gilt als Erfinder des ersten destillierten Bay Rum – zuvor wurde diese Kategorie meist durch einfaches Mazerieren hergestellt. Dieses Produkt, ursprünglich eher als Duftwasser und Pflegemittel konzipiert, trug maßgeblich zu Riises späterem Wohlstand bei.
Lieferant der dänischen Marine
Riises unternehmerischer Erfolg wuchs weiter, als er zum Lieferanten der dänischen Marine wurde. Sein Blended Rum begeisterte besonders die Matrosen – ein Teil ihres Solds wurde in „flüssiger Währung" ausgezahlt, wie es in historischen Quellen heißt. Als die dänische Flotte im Hafen von Charlotte Amalie ankerte, wurde sie stets von Albert Heinrich Riise mit Rum versorgt.
Die erste internationale Auszeichnung 1893
Der Ruf von Riises Rum wuchs über die Jahre kontinuierlich. 1893 erhielt der Rum seine erste internationale Prämierung auf der World's Columbian Exposition in Chicago – einer Weltausstellung zu Ehren des 400. Jahrestags der Entdeckung Amerikas durch Christopher Kolumbus. Seitdem wurden die außergewöhnlichen Qualitäten der charaktervollen Rum-Variationen bei zahlreichen Wettbewerben und Ausstellungen mit Medaillen ausgezeichnet.
Die dänisch-karibische Kolonialgeschichte hinter der Marke
Die Dänisch-Westindischen Inseln
Um die Marke vollständig zu verstehen, hilft ein Blick auf die historischen Rahmenbedingungen: Die Inseln St. Thomas, St. John und St. Croix wurden 1493 von Christoph Kolumbus auf seiner zweiten Reise entdeckt. Dänemark übernahm nach mehreren Besitzerwechseln durch die Westindien-Kompagnie die koloniale Kontrolle über die Inseln relativ spät. 1733 begann mit der Übernahme von St. Croix von Frankreich auch der systematische Zuckerrohranbau – ein entscheidender Schritt für die spätere Rum-Produktion der Region.
Diese Inseln, damals bekannt als Dänisch-Westindien, wurden 1917 von den USA erworben und heißen heute U.S. Virgin Islands.
Die Familiengeschichte: Von Riise zu Poulsen zu Paiewonsky
Nach Albert Heinrich Riises Tod im Jahr 1882 wurde das Geschäft von seinen Söhnen Valdemar und Karl weitergeführt und florierte während der 1870er und 1880er Jahre weiter. Valdemar Riise (1853–1914) übernahm die Firma, verkaufte die Apotheke jedoch 1913 und kehrte krankheitsbedingt nach Kopenhagen zurück, wo er ein Jahr später verstarb.
An der Jahrhundertwende ging das Unternehmen in die Hände der Familie Poulsen über, die bis heute in Kopenhagen aktiv ist. 1928 wurde das Geschäft von der Familie der heutigen Eigentümer übernommen – den Familien Paiewonsky und Cassinelli, die sich seit den 1890er Jahren in den Virgin Islands niedergelassen hatten. Bis heute wird die Tradition von Qualität, Integrität und Service durch die dritte und vierte Generation dieser Familien fortgeführt.
Der Markenwechsel zu Old St. Croix
Warum die Umbenennung erfolgte
Am 13. Juni 2025 verkündete das Unternehmen einen weltweiten Rebranding-Schritt: Die Marke A.H. Riise wird international durch den Namen Old St. Croix ersetzt. Interessant dabei: Es handelt sich nicht um einen komplett neuen Namen, sondern um eine Rückkehr zu den eigenen historischen Wurzeln. Bereits in den 1870er-Jahren nutzte Albert Heinrich Riise selbst die Bezeichnung „Old St. Croix", um seine westindischen Rum-Blends auf internationalen Märkten – insbesondere in den USA und Zentralamerika – zu vermarkten.
Von 2010 bis 2025 verkaufte das Unternehmen seinen Rum unter dem Namen A.H. Riise in über 30 Märkten weltweit. Der Name war besonders in Nordeuropa hoch angesehen, stellte jedoch international eine Herausforderung dar: schwierige Aussprache und keine unmittelbare geografische Verbindung zum Ursprungsort des Rums. Der neue Name Old St. Croix verweist hingegen direkt auf die Insel St. Croix, historisch als „The Garden of the West Indies" bekannt, und ist international deutlich leichter verständlich und auszusprechen.
Was sich ändert – und was gleich bleibt
Das Unternehmen betont ausdrücklich: Es wird der Name geändert, nicht das Produkt. Rezepturen, Geschmacksprofile und Qualitätsstandards bleiben vollständig erhalten. Lediglich Etiketten, Verpackungsdesign und die gesamte Markenkommunikation wurden im Zuge des Rebrandings überarbeitet. Der Name Albert Heinrich Riise bleibt dabei weiterhin präsent – seine Signatur erscheint auf ausgewählten Etiketten als historisches Qualitätssiegel, und das Unternehmen unterhält weiterhin enge Verbindungen zur A.H. Riise Family Foundation.
Produkte unter dem alten Namen A.H. Riise bleiben laut Unternehmensangaben so lange im Handel verfügbar, bis vorhandene Lagerbestände aufgebraucht sind. Der Übergang erfolgt somit schrittweise.
Der Auftakt: XO Reserve Legacy
Zum Start des Rebrandings brachte das Unternehmen den Old St. Croix XO Reserve Legacy auf den Markt – eine moderne Hommage an den historischen Rum-Blend, der einst unter dem Namen Old St. Croix internationale Bekanntheit erlangte. Die limitierte Edition erschien weltweit in einer Auflage von 30.000 nummerierten Flaschen zu einem UVP von 44,99 Euro.
Die Produktlinie: Von Non Plus Ultra bis XO Reserve
Wo wird der Rum heute produziert?
Die Rums werden heute in der Cruzan Destillerie auf der Insel St. Croix in den U.S. Virgin Islands hergestellt. Damit bleibt die Marke ihrer geografischen Herkunft treu, während die Produktion modern und destillationstechnisch professionell organisiert ist.
Non Plus Ultra: Der Mythos hinter dem Namen
Der Name Non Plus Ultra trägt eine tiefe historische Symbolik: Er stammt aus der antiken Mythologie und bezieht sich auf die Säulen des Herkules an der Straße von Gibraltar, die die Grenzen der bekannten Welt markierten. Diese Säulen trugen die lateinische Inschrift „Non Plus Ultra" als Warnung an Seefahrer, nicht weiter in die unbekannte Welt vorzudringen.
Heute darf nur der beste und außergewöhnlichste Rum der Marke diesen Namen tragen. Der Non Plus Ultra Very Rare wird jährlich als streng limitierte Sonderabfüllung veröffentlicht – ein Blend aus über 50 handverlesenen, seltenen Fässern, die länger als üblich gebrannt werden und mit würzig-süßen Facetten überzeugen. Die Abfüllung erscheint in einer aufwendig facettierten Karaffe und wird auf lediglich 3.000 Flaschen pro Jahr limitiert.
XO Ambre d'Or: Zweistufige Fassreifung
Der XO Ambre d'Or Non Plus Ultra ist der offizielle Nachfolger des früheren Non Plus Ultra Sauternes Cask. Der Rum reift zunächst in den ältesten und besten Ex-Bourbon-Whiskey-Fässern und erhält anschließend ein langes Finishing in hochwertigen französischen Sauternes-Süßwein-Fässern. Dieser komplette Reifeprozess dauert bis zu 20 Jahre. Mit 42% Vol. abgefüllt, zeigt der Rum eine sehr voluminöse Nase mit süßer Vanille und klassischem Honig, im Geschmack Eiche, Karamell und rum-getränkte Rosinen mit fruchtigen Pfirsichnoten.
Weitere wichtige Abfüllungen
- XO Reserve: Zugänglicher Einstieg in die Premium-Linie, weniger limitiert als Non Plus Ultra, aber mit ähnlicher önologischer Handschrift.
- Royal Danish Navy: Verweist direkt auf die historische Rolle als Lieferant der dänischen Marine.
- Signature: Hommage an den Gründer Albert Heinrich Riise selbst.
- Family Reserve: Ursprünglich 2015 für ein Familientreffen der Riise-Nachkommen kreiert, das alle fünf Jahre stattfindet.
Wichtige Fakten im Überblick
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Gründer | Albert Heinrich Riise (1810–1882), dänischer Apotheker |
| Gründungsjahr | 1838 (Apothekerprivileg), 1862 (Bay Rum) |
| Ursprungsort | St. Thomas, Dänisch-Westindien (heute US Virgin Islands) |
| Heutige Produktion | Cruzan Destillerie, St. Croix |
| Aktueller Markenname | Old St. Croix (seit 13. Juni 2025, zuvor A.H. Riise) |
| Bekannteste Abfüllung | Non Plus Ultra Very Rare (limitiert auf 3.000 Flaschen/Jahr) |
| Erste Auszeichnung | 1893, World's Columbian Exposition, Chicago |
| Historische Kunden | Dänische Königliche Marine |
| Heutige Eigentümer | Familien Paiewonsky und Cassinelli (seit 1928) |
FAQ: A.H. Riise / Old St. Croix Rum
Wer war Albert Heinrich Riise?
Albert Heinrich Riise (1810–1882) war ein dänischer Apotheker, Kaufmann und Rum-Hersteller auf St. Thomas in den damaligen Dänisch-Westindischen Inseln. Er erhielt 1838 das Privileg, die erste offizielle Apotheke der Insel zu betreiben, und entwickelte daraus ein florierendes Geschäft mit Rum, Bay Rum und Bitterlikören.
Warum heißt A.H. Riise jetzt Old St. Croix?
Seit dem 13. Juni 2025 hat das Unternehmen seine Marke weltweit von A.H. Riise zu Old St. Croix umbenannt. Der Name kehrt zu einer historischen Bezeichnung zurück, die Albert Heinrich Riise selbst bereits in den 1870er-Jahren für seine Rum-Exporte nutzte. Grund für die Umbenennung war die internationale Verständlichkeit: „Old St. Croix" ist leichter auszusprechen und verweist direkt auf die geografische Herkunft des Rums.
Ändert sich durch die Umbenennung der Geschmack des Rums?
Nein. Das Unternehmen betont ausdrücklich, dass sich nur der Markenname und das Verpackungsdesign ändern – Rezepturen, Fassreifung und Geschmacksprofile bleiben identisch. Bestehende Flaschen mit dem Namen A.H. Riise bleiben im Handel verfügbar, bis die Lagerbestände aufgebraucht sind.
Warum heißt der beste Rum der Marke „Non Plus Ultra"?
Der Name stammt aus der antiken Mythologie und bezieht sich auf die Säulen des Herkules an der Straße von Gibraltar, die einst als Grenze der bekannten Welt galten und die lateinische Inschrift „Non Plus Ultra" (nichts darüber hinaus) trugen. Die Marke verwendet den Namen exklusiv für ihre hochwertigste, jährlich limitierte Rum-Abfüllung.
Wo wird der Rum heute hergestellt?
Der Rum wird heute in der Cruzan Destillerie auf St. Croix, U.S. Virgin Islands, produziert. Die Marke bleibt damit ihrer historischen karibischen Herkunft treu, obwohl die Firmenleitung und ein Teil des Vertriebs heute auch von Dänemark aus koordiniert werden.
Was ist Bay Rum und welche Rolle spielte Riise dabei?
Bay Rum ist ein mit dem Öl der Pimenta-racemosa-Pflanze (Lorbeerbaum-Verwandte) aromatisiertes Rum-Produkt, das ursprünglich als Duftwasser und Hautpflegemittel diente. Albert Heinrich Riise entwickelte 1862 sein berühmtes Bay Rum und gilt als Erfinder des ersten destillierten Bay Rum.
Wer besitzt die Marke heute?
Die Marke wird heute von den Familien Paiewonsky und Cassinelli betrieben, die das Geschäft 1928 übernahmen und seit den 1890er Jahren in den Virgin Islands ansässig sind. Zusätzlich betreibt die Familie Poulsen seit der Jahrhundertwende einen Geschäftszweig in Kopenhagen.
Ist der Rum von A.H. Riise / Old St. Croix süß?
Die Premium-Linien wie Non Plus Ultra und XO Ambre d'Or sind für ihr rundes, süßliches Geschmacksprofil mit Vanille, Karamell, Honig und Trockenfrüchten bekannt – geprägt durch charakteristische Fassfinishings in Süßwein-Fässern wie Sauternes.
Fazit: Ein Apotheker-Erbe unter neuem Namen
Die Geschichte von A.H. Riise – heute Old St. Croix – zeigt, wie eng Handwerk, Wissenschaft und unternehmerischer Weitblick miteinander verknüpft sein können. Ein dänischer Apotheker, der auszog, um Medikamente in die Karibik zu bringen, wurde zum Namensgeber einer der prestigereichsten Rum-Marken der Welt – mit einem Erbe, das über fünf Generationen und drei Familien hinweg lebendig geblieben ist und heute unter neuem, aber historisch verwurzeltem Namen weiterlebt.
Wer heute eine Flasche Non Plus Ultra öffnet, verkostet nicht nur Karamell, Vanille und Rosinen – sondern fast 200 Jahre dänisch-karibischer Geschichte.
Wer diese Verbindung von maritimer Tradition und exzellentem Handwerk auch in seiner Bordbar sucht, findet bei JJs Manöverschluck eine moderne Interpretation dieser Philosophie – Charakter, Herkunft und echtes Seefahrer-Erbe in jeder Flasche.
Leinen los – auf die dänisch-karibische Rum-Geschichte!